Yoga-Etikette in Indien
Für viele Übende ist eine Yoga-Reise nach Indien ein Wunsch seit Jahren. Vor Ort merkt man schnell: Yoga ist hier keine Fitnessstunde, sondern Teil einer spirituellen Tradition mit eigenen Umgangsformen.
Pünktlich und vorbereitet
In traditionellen Schulen beginnt der Unterricht oft sehr früh, manchmal vor Sonnenaufgang. Wer zu spät kommt, stört nicht nur, sondern wird in manchen Schulen gar nicht mehr hereingelassen. Üblich ist es, mit leerem Magen zu üben und nach dem letzten Essen einige Stunden verstreichen zu lassen.
Lehrer und Tradition
Der Lehrer wird mit Respekt behandelt, oft mit „Guruji“ oder „Sir“ angesprochen. Korrekturen nimmt man an, ohne zu diskutieren; Fragen stellt man nach dem Unterricht. Viele Stunden beginnen und enden mit einem Mantra oder einem gemeinsamen „Om“ – man muss nicht mitsingen, aber still dabei sein.
- Die Füße nie in Richtung des Lehrers oder eines Altars strecken.
- Nicht über die Matte oder die Beine anderer hinwegsteigen.
- Schuhe bleiben vor dem Übungsraum, oft schon vor dem Gebäude.
- Handy aus, nicht nur lautlos.
Der Unterrichtsraum
Der Shala ist für viele Lehrer ein geweihter Ort. Laute Gespräche, Essen und Fotos sind tabu, sofern nicht ausdrücklich erlaubt. Hilfsmittel wie Blöcke und Gurte werden nach der Stunde ordentlich zurückgelegt. Die eigene Matte rollt man vorsichtig auf und tritt nicht mit Straßenschuhen darauf.
Beobachten Sie in den ersten Tagen, wie sich die Stammschüler verhalten. Jede Schule hat ihre eigenen Gewohnheiten.
Kleidung
Bequeme, blickdichte Kleidung, die Schultern und Oberschenkel bedeckt, ist in Indien fast überall die richtige Wahl. Mehr dazu im Beitrag zur Kleidung beim Yoga in Indien.
Außerhalb der Stunde
Yoga-Orte wie Rishikesh oder Mysore sind zugleich Pilgerorte. In Rishikesh sind Fleisch und Alkohol in weiten Teilen der Stadt nicht erhältlich. Tempelbesuche, Rituale am Ganges und der Umgang mit Sadhus folgen den allgemeinen Regeln, die auf der Seite Reise-Knigge Indien beschrieben sind. Wer in einem Ashram wohnt, findet die Besonderheiten unter Ashrams: Dos and Don’ts.
Geld und Dank
Unterricht wird meist im Voraus bezahlt, oft in bar. In einigen traditionellen Schulen ist am Ende einer Zeit eine Spende (dakshina) als Dank an den Lehrer üblich. Die Höhe bleibt frei – wichtiger als der Betrag ist die Geste.
Einreisebestimmungen, Sicherheitslage und Gesundheitshinweise ändern sich: Vor jeder Reise lohnt ein Blick in die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts.