Reise-Knigge Großbritannien
Höflichkeit ist in Großbritannien Alltag – „please“, „thank you“ und „sorry“ fallen in jedem zweiten Satz. Hinter den freundlichen Formeln stecken ein paar ungeschriebene Regeln, die Besucher kennen sollten.
Die Queue ist heilig
Ob an der Bushaltestelle, am Kiosk oder an der Bar: Briten stellen sich an, und wer sich vordrängelt, erntet eisige Blicke. Laut beschweren wird sich selten jemand – umso deutlicher ist das Missfallen. In der U-Bahn gilt auf Rolltreppen: rechts stehen, links gehen.
Understatement verstehen
Britische Kommunikation ist indirekt. „Not bad“ kann großes Lob sein, „I hear what you say“ bedeutet oft: Ich sehe das ganz anders. „That’s an interesting idea“ ist eher eine höfliche Absage. Direkte Kritik und das deutsche „Das ist falsch“ wirken schnell grob; ein „I’m not sure that works“ transportiert dieselbe Botschaft.
Small Talk über das Wetter ist kein leeres Gerede, sondern ein Türöffner. Persönliche Fragen nach Einkommen oder politischer Einstellung gehören nicht an den Anfang eines Gesprächs.
Im Pub
Im klassischen Pub gibt es keinen Kellner, der an den Tisch kommt. Man bestellt und bezahlt an der Theke; Essen wird oft mit der Tischnummer bestellt.
- In Gruppen geht jeder reihum eine Runde für alle holen („a round“). Wer nur mittrinkt, aber nie eine Runde ausgibt, fällt auf.
- An der Bar ist Trinkgeld nicht üblich; man kann dem Barpersonal „one for yourself“ anbieten.
- Den Zeitpunkt für die letzte Bestellung kündigt die Glocke zu „last orders“ an.
Nicht mit dem Geldschein wedeln: Das Barpersonal merkt sich die Reihenfolge und bedient der Reihe nach.
Restaurants und Trinkgeld
In vielen Restaurants steht bereits eine „discretionary service charge“ von meist 12,5 Prozent auf der Rechnung. Dann ist kein weiteres Trinkgeld nötig. Fehlt sie, sind 10 bis 12,5 Prozent angemessen. Ausführlicher in der Trinkgeld-Übersicht.
Praktisches
Die Steckdosen haben drei eckige Stifte (Typ G), ein Adapter gehört ins Gepäck. Autofahrer brauchen etwas Eingewöhnung an den Linksverkehr, Fußgänger ebenso: Auf vielen Straßen in London steht deshalb „look right“ auf dem Asphalt. Schottland und Wales legen Wert auf ihre Eigenständigkeit – Schotten sind keine „Engländer“, und die richtige Bezeichnung ist eine kleine, aber geschätzte Geste.
Einreisebestimmungen, Sicherheitslage und Gesundheitshinweise ändern sich: Vor jeder Reise lohnt ein Blick in die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts.